Job Index Q1 2026

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Swiss Job Market Index Q1 2026: Stabilisierungstendenz auf dem Stellenmarkt setzt sich fort – überfachliche Fähigkeiten gewinnen an Bedeutung

Zürich, 23. April 2026: Der Schweizer Stellenmarkt zeigt im ersten Quartal 2026 eine leichte Stabilisierung. So steigt die Zahl der offenen Stellen um 0.7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im aktuellen Studienfokus steht die Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten wie Teamarbeit, selbstständiges Arbeiten und analytisches Denken. Diese Skills gewinnen im Schweizer Arbeitsmarkt deutlich an Bedeutung – nicht als direkte Folge von KI, sondern als Ausdruck eines breiten strukturellen Wandels. Dies zeigt der Adecco Group Swiss Job Market Index, die wissenschaftlich fundierte Studie der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors Schweiz der Universität Zürich.
Entwicklung des Job Index im Vergleich zu realem BIP und KOF‑Beschäftigungsindikator in der Schweiz von 2008 bis 2026.

Quellen: KOF Konjunkturforschungsstelle (KOF-Beschäftigungsindikator), Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO; reales BIP), Stellenmarkt Monitor Schweiz (SMM; Adecco Group Swiss Job Market Index).

Bemerkung: Ein Wert über 100 bedeutet ein Zuwachs beim Adecco Group Swiss Job Market Index und dem BIP, ein Wert unter 100 eine Abnahme gegenüber dem Basisquartal Q1 2008. Ein Wert des KOF-Beschäftigungsindikators über 100 bedeutet, dass mehr Firmen einen Stellenaufbau als einen -abbau planen. Liegt der Wert unter 100, überwiegt der geplante Stellenabbau.

Der Schweizer Stellenmarkt zeigt im ersten Quartal 2026 leichte Erholungstendenzen: Der Adecco Group Swiss Job Market Index steigt gegenüber dem Vorquartal um 0.7 Prozent (+0.8% im Jahresvergleich), und der KOF-Beschäftigungsindikator signalisiert, dass mehr Unternehmen einen Stellenaufbau als einen -abbau planen (+1.1% gegenüber Vorquartal). Dennoch bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. So stieg die Arbeitslosenquote im Februar um 0.3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf 3.2 Prozent, wo sie laut KOF Konjunkturprognose im Jahresmittel etwa verharren wird. Zudem wird für das laufende Jahr von einem moderaten Beschäftigungswachstum und einem BIP-Wachstum von lediglich 1 Prozent ausgegangen.

Da die Datenerhebung vor Beginn des Kriegs im Nahen Osten erfolgte, könnte der Job Index infolge der damit verbundenen wirtschaftlichen Eintrübung die Anzahl offener Stellen für Q1 2026 womöglich überschätzen. Darauf deutet auch der Rückgang des KOF Konjunkturbarometers im März um 7.7 Punkte hin.

Dazu Marcel Keller, Country President der Adecco Gruppe Schweiz: «Der Job Index zeigt im ersten Quartal 2026 eine leichte Stabilisierung des Stellenmarkts. Gleichzeitig bleibt die Lage der Schweizer Wirtschaft herausfordernd: Die anhaltende handelspolitische Unsicherheit infolge der US-Zollpolitik belastet exportorientierte Branchen und der Krieg im Nahen Osten und die globalen geopolitischen Spannungen dämpfen das Investitionsklima.»

Studienfokus Skills: Überfachliche Fähigkeiten und der damit einhergehende Strukturwandel der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch, angetrieben von technologischem Wandel, vor allem durch Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung. Rückläufige Stellenausschreibungen, insbesondere in technischen, KI-exponierten Berufen, könnten auch mit einer sinkenden Nachfrage nach technischen und digitalen Qualifikationen verbunden sein und dafür sorgen, dass sogenannte transversale – auch überfachliche oder berufsübergreifende – Fähigkeiten, zunehmend ins Rampenlicht rücken (Klaeui, & Siegenthaler, 2025). Solche Fähigkeiten, wie z. B. Anpassungsfähigkeit, Kommunikation und soziale Interaktion, beschränken sich nicht auf ein bestimmtes Berufsfeld oder eine spezifische Funktion, sondern sind quer durch Tätigkeiten und Hierarchiestufen relevant.

Studiennachweise zur berufsübergreifenden Nachfrage nach transversalen Skills

Für den Future of Jobs Report 2025 befragte das World Economic Forum (WEF) 2025 tausende Unternehmen weltweit bezüglich zukünftiger Skill-Anforderungen. Die Ergebnisse zeigen, dass kognitive Fähigkeiten wie analytisches und kreatives Denken sowie soziale Fähigkeiten wie Resilienz, Flexibilität und Führung – allesamt überfachliche Fähigkeiten – als die meistgefragten Skills der Gegenwart eingestuft werden, noch vor technischem Wissen.

Weitere Studien zeigen, dass überfachliche Fähigkeiten eine zentrale Rolle für die Beschäftigung und Löhne spielen, da diese die Zusammenarbeit erleichtern, die Produktivität steigern und im Zuge komplexerer Arbeitsprozesse an Bedeutung gewinnen (Deming, 2017; Deming & Kahn, 2018; Woessmann, 2025). In Zeiten flacherer Hierarchien, stärker teamorientierter Arbeit und dezentraler Entscheidungsstrukturen werden überfachliche Fähigkeiten zusehends wichtiger (Lu, 2024; Shahzad et al., 2025). Zudem erhöht KI die Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten wie Teamarbeit, Anpassungsfähigkeit und Problemlösung sowohl innerhalb von Berufen, in denen KI besonders stark genutzt wird, als auch ausserhalb dieser Berufe (Stephany & Teutloff, 2023; Stephany & Mäkelä, 2024).

Datengrundlage und methodisches Vorgehen der Studie

Für diese Studie wurden über eine Million Schweizer Stelleninserate aus den Jahren 2015–2026 analysiert. Die darin genannten Fähigkeiten wurden mithilfe von NLP-Modellen erfasst und nach der ESCO-Klassifikation in vier Gruppen eingeteilt: Wissensanforderungen (z.B. Kenntnisse in Betriebswirtschaft oder IKT), berufsspezifische Fähigkeiten und Kompetenzen (z.B. Programmieren in Python oder Bedienung von CNC-Maschinen), überfachliche Fähigkeiten und Kompetenzen (z.B. Teamarbeit oder Problemlösungskompetenz) sowie Sprachkenntnisse (z.B. Deutsch oder Englisch). Weitere Details zur Datengrundlage und dem methodischen Vorgehen ist dem Appendix A.1. zu entnehmen.

Zunehmende Bedeutung überfachlicher Kompetenzen in der Schweiz

Auch in der Schweiz sind überfachliche Fähigkeiten und Kompetenzen in den letzten Jahren zunehmend wichtiger geworden. Diese dominieren durchgehend und weisen dabei einen klar steigenden Trend auf, besonders ausgeprägt ab 2022, wo der Anteil innerhalb weniger Jahre von knapp 60 auf über 63 Prozent klettert. Wissensanforderungen hingegen bewegen sich gegenläufig: Ihr Anteil sinkt kontinuierlich von rund 25 Prozent im Jahr 2015 auf unter 23 Prozent im Jahr 2026. Berufsspezifische Fähigkeiten und Kompetenzen verbleiben über den gesamten Zeitraum auf einem stabilen, niedrigen Niveau von 13 bis 15 Prozent ohne erkennbaren Trend.

Abbildung 1: Anteil verschiedener Fähigkeiten & Kompetenzarten in Stelleninseraten, 2015-2025

Anteile überfachlicher, berufsbezogener und wissensbasierter Kompetenzen in Stelleninseraten in der Schweiz von 2015 bis 2026.

Bemerkung: Die Kategorie Sprachkenntnisse macht einen so geringen Anteil aus, dass sie hier nicht aufgeführt wird.

Auch wenn sich die Anteile der Kategorien überfachliche Fähigkeiten und Kompetenzen und Wissensanforderungen nicht drastisch ändern, bestätigen statistische Analysen, dass es sich dabei um einen robusten Wandel innerhalb derselben Berufe handelt und dieser nicht dadurch bedingt ist, dass Berufe mit anderen Anforderungsprofilen im Stellenmarkt an Gewicht gewinnen oder verlieren. Einzig berufsspezifische Fähigkeiten und Kompetenzen zeigen keinen signifikanten Trend auf (siehe Tabelle A2 im Appendix).

«Überfachliche Fähigkeiten gewinnen relativ an Bedeutung gegenüber anderen Kompetenzarten, ohne dass sich ihre Verbreitung über zusätzliche Inserate wesentlich verändert. Arbeitgebende verlangen also nicht pauschal mehr oder weniger Fähigkeiten, sondern strukturell andere: weniger formale Wissens- und Bildungsanforderungen, dafür mehr berufsübergreifende, transferierbare Fähigkeiten.»

Marcel Keller, Country President Adecco Group Switzerland

Überfachliche Fähigkeiten: Selbstmanagement und soziale, kommunikative Kompetenzen an der Spitze

Wie die Auswertung für den Zeitraum 2015-2026 zeigt, sind Selbstmanagementfähigkeiten und -kompetenzen (T3), soziale & kommunikative Fähigkeiten und Kompetenzen (T4) sowie Denkfähigkeiten und -kompetenzen (T2) die drei am meisten nachgefragten Anforderungen in Schweizer Stelleninseraten. Dieses Ranking deckt sich mit den Ergebnissen der globalen Arbeitgeberbefragung im Rahmen des Future of Jobs Report 2025 des WEF.

Tabelle 1: Unterkategorien der Überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen:

Durchschnittliche Anzahl Nennungen pro Stelleninserat, inkl. Inserate ohne überfachliche Anforderungen. Rangfolge nach Häufigkeit, 2015-2026

Unterkategorien von überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen

Im Detail zeigt sich, dass die meistgefragten Einzelkompetenzen und Fähigkeiten proaktives Handeln und Eigeninitiative (T3.2), Teamarbeit und Vernetzung (T4.3) sowie effizientes und selbstständiges Arbeiten (T3.1) sind (siehe Tabelle A3 im Appendix). Auffällig ist auch die hohe Nachfrage nach Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit (T3.4) - ein Hinweis darauf, dass Schweizer Arbeitgebende zunehmend Wert auf die Fähigkeit legen, sich in einem sich wandelnden Arbeitsumfeld weiterzuentwickeln, statt auf statisches Fachwissen.

Berufe mit steigender Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten

Die Berufsgruppen Hochschulberufe Soziales sowie Fachkräfte KV, Verwaltung und Handel weisen den stärksten signifikanten Anstieg überfachlicher Fähigkeiten und Kompetenzen auf (siehe Abbildung 2). Einzig die Berufsgruppe Fachkräfte Handwerk und Industrie zeigt einen signifikant negativen Trend. Die übrigen Berufsgruppen weisen keine statistisch signifikanten Veränderungen auf.

Abbildung 2: Veränderung der Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten & Kompetenzen

Veränderung der Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen

Bemerkung: Die Abbildung zeigt den geschätzten jährlichen Trend im Anteil überfachlicher Fähigkeiten und Kompetenzen an allen Skill-Anforderungen pro Berufsgruppe; die horizontalen Linien zeigen die statistische Unsicherheit. Die Schätzungen berücksichtigen, dass sich die ausgeschriebenen Berufe innerhalb einer Gruppe über die Zeit verändern können und rechnen solche Verschiebungen heraus.

Aber welche Berufsgruppe treibt den Gesamtanstieg an überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen von knapp 4 Prozentpunkten (Abbildung 1) am meisten? Während Abbildung 2 nur die Veränderung der Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen innerhalb  derselben Berufe aufweisen, berücksichtigen die folgenden Resultate auch, dass Berufe mit anderen Anforderungsprofilen im Stellenmarkt an Gewicht gewinnen oder verlieren (siehe auch Tabelle A.4).

Die Resultate zeigen, dass Nachfrageänderungen innerhalb derselben Berufe zu zwei Dritteln den Gesamtanstieg treiben. Deshalb leisten, wie in Abbildung 2, die Berufsgruppen Fachkräfte Technik, Fachkräfte KV, Verwaltung und Handel sowie Hochschulberufe Soziales die grössten positiven Beiträge zum Gesamtanstieg (Tabelle A.4). Ebenfalls wie in Abbildung 2, ist die Berufsgruppe Fachkräfte Handwerk und Industrie die einzige mit einem negativen Beitrag – konsistent mit dem signifikant negativen Trend in Abbildung 2.

Für den Beitrag zum Gesamtanstieg werden neben dem Trend auch die Grösse und Entwicklung der Berufsgruppen berücksichtigt. Daher zeigen die Ergebnisse zudem, dass auch die grosse Berufsgruppen Fachkräfte Bau und Ausbau sowie Fachkräfte persönliche Dienstleistungen zum Gesamtanstieg beitragen, obwohl ihr eigener Trend in Abbildung 2 nicht signifikant ist.

KI als Motor des Wandels? Überfachliche Fähigkeiten und Kompetenzen und technologischer Wandel

Eine naheliegende Erklärung für den beobachteten Anstieg überfachlicher Fähigkeiten und Kompetenzen wäre der technologische Wandel durch KI. Da KI zunehmend Routineaufgaben aber auch Wissensaufgaben übernimmt und Berufsbilder verändert, könnten Unternehmen vermehrt Wert auf allgemeine, transferierbare Fähigkeiten legen. Also auf diejenigen Kompetenzen, die unabhängig von spezifischen Technologien oder Aufgaben relevant bleiben und die Anpassungsfähigkeit der Arbeitnehmenden in einer volatilen Arbeitswelt erhöhen. Erste Studien zeigen, dass KI die Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen tatsächlich erhöht (Stephany & Teutloff, 2023; Stephany & Mäkelä, 2024).

Tabelle 2 zeigt den Zusammenhang zwischen technologischem Wandel durch KI-Nachfrage nach überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen. Dabei wird untersucht, wie stark die Aufgaben eines Berufs durch KI ersetzt oder verändert werden könnten und ob sogenannte «KI-exponierte» Berufe vermehrt überfachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen verlangen oder nicht (siehe auch Appendix A.2).

Die Ergebnisse zeigen, dass stärker KI-exponierte Berufe bereits vor der Einführung KI skill-intensiver waren: pro Stelleninserat werden rund 7.3 Prozent mehr Fähigkeiten und Kompetenzen verlangt (Tabelle 2). Betrachtet man jedoch die Zusammensetzung dieser Fähigkeiten und Kompetenzen, zeigt sich ein interessantes Muster: Der Anteil überfachlicher Fähigkeiten und Kompetenzen ist in KI-exponierten Berufen signifikant tiefer (−3.1 Prozentpunkte, p<0.001), während der Anteil an Wissensanforderungen signifikant höher ist (+2.3 Prozentpunkte, p<0.001).

Tabelle 2: KI-Exposition und Nachfrage nach Fähigkeiten und Kompetenzen

OLS mit Berufsgruppen- und Jahres-Fixed Effects, SE geclustert auf ISCO-4-Ebene

KI-Exposition und Nachfrage nach Fähigkeiten und Kompetenzen

KI-exponierte Berufe sind also nicht transversaler, sondern wissensintensiver. Insbesondere Wissen aus Wirtschaft, Verwaltung und Recht, Informations- und Kommunikationstechnologien und Sozialwissenschaften, Journalistik und Informationswissenschaften ist signifikant stärker vertreten, während Dienstleistungswissen (z.B. Kenntnisse im Gastgewerbe, Tourismus, Facility Management oder Detailhandel) zurückgeht (siehe Abbildung 3).

Der Anstieg überfachlicher Fähigkeiten und Kompetenzen lässt sich also nicht durch KI erklären: Es sind weniger neue Berufe, sondern veränderte Anforderungen innerhalb der bestehenden Berufe, die den Bedarf an diesen Kompetenzen erhöhen. Da KI-exponierte Berufe eher weniger überfachlicher Fähigkeiten und Kompetenzen verlangen und seit 2022 an Bedeutung verlieren (Kläui & Siegenthaler, 2025), verstärkt dieser Effekt den Anstieg sogar leicht, anstatt ihn zu erklären. Gleichzeitig deutet dies darauf hin, dass KI vor allem mit einer Verschiebung der Arbeitsnachfrage zwischen Berufen verbunden ist – und nicht mit höheren Anforderungen pro Stelle.

«Der Anstieg überfachlicher Fähigkeiten lässt sich folglich nicht auf KI-Exposition zurückführen, sondern stellt einen gesamtwirtschaftlichen Trend dar, der unabhängig vom Automatisierungsgrad eines Berufs verläuft. Insgesamt deutet dies darauf hin, dass überfachliche Fähigkeiten bereits vor dem Aufkommen generativer KI breit in Stelleninseraten verankert waren und ihr Bedeutungszuwachs Teil eines allgemeinen strukturellen Wandels ist - kein Ausdruck eines KI-getriebenen Strukturbruchs.»

Johanna Bolli-Kemper, Stellenmarkt Monitor Schweiz

Abbildung 3: KI-Exposition und Wissensanforderungen

Zusammenhang zwischen KI‑Exposition und Wissensanforderungen in Stellenanzeigen nach Berufsfeldern in der Schweiz.

Fazit: Überfachliche Fähigkeiten sind im Aufwind - Ein struktureller Wandel jenseits von KI

Die Analyse von über einer Million Schweizer Stelleninseraten von 2015 bis 2026 zeigt: Überfachliche Fähigkeiten haben an Bedeutung gewonnen, zulasten formaler Wissens- und Bildungsanforderungen. Dieser Wandel ist robust, berufsübergreifend und beschleunigt sich ab 2022. Besonders gefragt sind Selbstmanagement, Teamarbeit und Lernbereitschaft – Fähigkeiten, die unabhängig von Branche und Hierarchiestufe relevant sind.

Die Daten liefern jedoch keine Hinweise darauf, dass KI der direkte Treiber dieser Entwicklung ist. Zwar sind KI-exponierte Berufe insgesamt skill- und wissensintensiver, ihr Anteil an überfachlichen Fähigkeiten ist jedoch nicht höher, und auch seit dem Aufkommen generativer KI zeigt sich kein Strukturbruch.

Vielmehr handelt es sich um einen längerfristigen, breiten Wandel, der sich primär innerhalb der Stellenprofile vollzieht: Überfachliche Fähigkeiten gewinnen relativ stark an Gewicht, ohne dass sich ihre ohnehin hohe Verbreitung stark verändert. Treiber dieses Prozesses könnte ein Wandel der Anforderungsnachfrage von Unternehmen an Bewerber sein, weg von einem Fokus auf formalen Bildungsabschlüssen hin zu skillbasierten Anforderungen, was sich auch in der Ausschreibepraxis von Stelleninseraten niederschlagen könnte. Andere Treiber könnten komplexere und effizienter gestaltete Arbeitsprozesse, neue Organisationsformen und veränderte Anforderungen an Zusammenarbeit im Job sein.

Die zentrale Implikation: Überfachliche Fähigkeiten sind kein kurzfristiges Reaktionsphänomen auf KI, sondern ein strukturelles Merkmal eines sich wandelnden Arbeitsmarkts und bleiben damit eine zentrale Grundlage für Bildung, Weiterbildung und Personalentwicklung.